Die nächste Einheit am Donnerstag hat also zur Sicherheit 5/2- statt 6/2-Intervalle. Wir laufen eine Route, die gleich zu Beginn relativ steil nach unten und durch eine Talsenke geht und auf der anderen Seite wieder steil nach oben, jeweils über eine Distanz von mehreren hundert Metern. Ich mag diese Route nicht, aber sie trifft die benötigte Gesamtdauer mit Abstand am besten. Früher habe ich den Anstieg bis nach oben einfach bei 70% bis 80% Geschwindigkeit durchgezogen, daran ist überhaupt nicht mehr zu denken.
Wir treffen die Talsohle perfekt, sodass direkt unten die erste Gehphase beginnt, aber bis wir wieder oben sind, sind die 2 Minuten Erholung vorbei und alle Anstrengung aus dem nächsten Laufintervall wandert direkt in meine beiden Waden, welche sich ordentlich anspannen. Am Ende des zweiten Abschnitts ist nochmals eine minimale Steigung, welche mich dann fast in die Knie zwingt. Die restliche Einheit läuft es sich besser, aber der Beginn hatte es einmal mehr in sich. Das sind aber Anstrengungen, die ich vor zwei Monaten noch nicht ausgehalten hätte.
Unser Wochenende ist mit anderen Terminen vollgepackt, sodass zunächst keine Zeit zum Laufen bleibt. Wir verabreden uns für Sonntagabend, was für uns als Tageszeit eher ungewöhnlich ist, da die Anstrengungen des vergangenen Tages sich tendenziell eher negativ auf die Performance auswirken. Eine Alternative lässt der Zeitplan aber derzeit nicht zu.
Nachdem erfreulicherweise keine körperlichen Beschwerden kamen, gehen wir wieder auf 6/2. Wir starten um kurz nach 20 Uhr, das Wetter ist sehr angenehm, und es gibt zum zweiten Mal die früher so beliebte Hausrunde. Ich nehme mir vor, zu Beginn betont ökonomisch zu laufen und das zahlt sich aus, wir kommen gut durch und haben am Ende gefühlt die bislang niedrigste Pace drauf. Auch die (auf dieser Route vergleichsweise kleinen) Anstiege sind kein Problem, ich habe mich beim Laufen lange nicht mehr so gut gefühlt. Einen Schönheitsfleck gibt es jedoch am Ende leider doch noch: dreißig Sekunden vor dem Ende spüre ich einen kleinen Stich im linken Oberschenkel, darum breche ich sofort ab und gehe den Rest vollends. Das sollte sich als richtige Entscheidung erweisen.
Am Dienstagmorgen folgt die nächste Einheit, nur ca. 34 Stunden nach dem Sonntagslauf. Nochmals die Hausrunde wird zu lange nach dieser sehr kurzen Erholungsphase, daher fahre ich die Belastung bewusst herunter, um den langfristigen Erfolg nicht zu gefährden, auch nach dem Abbruch kurz vor Ende der letzten Einheit. Ich schlage vor, die Runde vom letzten Donnerstag rückwärts zu laufen, aber mit 6/2-Intervallen, was nach ein paar Rückfragen bezüglich der Beweggründe akzeptiert wird. Der Anstieg kommt dann zum Schluss und wird auf jeden Fall hoch gegangen und nicht gelaufen. Die Pace wird insgesamt bewusst deutlich verlangsamt.
Es ist wie erwartet anstrengend und ich muss mich über weite Teile der Strecke quälen. Da ein Verschieben der Einheit mangels freier Termine nicht geklappt hätte, muss ich, müssen wir, da jetzt durch und durch das langsamere Tempo landen wir am Ende sogar bei über vierzig Minuten. Wir sind am Ende beide reichlich fertig, haben aber durchgezogen. Hier hilft das Fernziel hinterm Horizont ungemein, denn ohne dieses wäre ich vermutlich heute einfach daheim geblieben.
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| Erholung ist Teil des Trainings. |
Da ich nicht weiß, wie ich diese Woche weitermachen soll, frage ich Elmar. Dieser drückt auch eher auf die Bremse und rät, in der nächsten Einheit nochmals auf Regeneration zu gehen. Durchlaufen am Arsch.
[Woche: 11, Einheit: 26, Kilometer: 30]



