Samstag, 27. Juni 2026

Signifikanz

Morgens bereits um fünf Uhr Laufen zu gehen hat seine Vorteile, wenn man sich das nur lange und oft genug einredet.. ähm, nein. Heute ging es "erst" um halb acht auf die Piste und mein lieber Scholli, was für ein Unterschied, die Vorteile des früher Loslaufens liegen doch sehr offenkundig und unübersehbar auf der Hand. Das aktuelle Hochdruckgebiet Ende Juni 2026 ist erbarmungslos, bereits nach wenigen hundert Metern wische ich mir regelmäßig den Schweiß aus dem Gesicht, gefühlt wollen die ersten Minuten heute überhaupt nicht vergehen. Es ist heiß, es ist anstrengend, die ersten 30 Minuten fühlen sich unendlich lange an, am Ende fühle ich mich innerlich halb vertrocknet. Dagegen fällt das frühe Aufstehen als Alternative eindeutig leichter (auch ein Satz, den ich vor 10 oder 15 Jahren sicher nicht so getätigt hätte).

Mit der heutigen Einheit ist das eine oder andere Narrativ aus dem Februar aber überholt und nicht mehr länger haltbar, das ist eine recht schöne Belohnung für die Anstrengungen. "Ich will doch eigentlich nur wieder 30 Minuten am Stück Joggen können und danach nicht tagelang irgendwelche Blessuren mit mir herumtragen." Ich würde sagen: Mission accomplished, der nächste Meilenstein ist gesetzt. Heute war ich nicht nur 30 Minuten am Stück joggen, denn nach einer 2-minütigen Gehpause wurden nochmals 15 Minuten hintendran gehängt, die Hausrunde mit gut 5,5 Kilometern wurde mit nur einer mehr oder weniger kurzen Gehpause durchgezogen. Über die Pace reden wir nicht, es geht ums Ankommen.

Weiterhin habe ich im Juni die 50 Kilometer Distanz in Summe klar und überdeutlich gerissen, und der Monat ist obendrein noch nicht einmal vorbei - in Sachen Dauer und Entfernung geht es Monat für Monat nur in eine Richtung. Höher, Schneller, Weiter hat wieder Einzug gehalten, ist für mich aber nur Randnotiz. Reden wir dafür aber auch über Beschwerden, über den Preis für diesen Fortschritt: Der Gluteus medius meldet sich seit ein, zwei Wochen spürbar lauter und kommt immer wieder in meinem Alltag an, das ist bisweilen nervig und unangenehm. Ich bin neugierig, was Elmar dazu sagt. 

Sie fragen, Elmar antwortet.


Immer wieder zieht und drückt es links im Gesäß, ich steuere mit Dehnübungen und ein wenig Gymnastik dagegen, um dies zu lindern. Alles halb so wild, meint Elmar, interessant. Er empfiehlt, den aktuellen Status zu halten und nicht weiter zu steigern. Aber was ist mit meinem Ziel, wird das nicht dadurch gefährdet? Vermutlich nicht. Es sind noch 3 Monate Zeit, das sollte sich ausgehen.

[Woche: 19, Einheit: 44, Kilometer: 127] 

Montag, 22. Juni 2026

Hidden Figures

Hidden Figures ist ein äußerst sehenswerter Film aus dem Jahr 2016 rund um das Apollo-Programm mit einem mehrdeutigen Titel. Es geht dabei um versteckte (hidden) Zahlenwerte (figures) bei der Berechnung von Weltraumkoordinaten oder auch Personen (figures kann beides bedeuten), die diese unsichtbar im Hintergrund berechnen. 

Bei meinem Lauftraining verhält es sich ähnlich: Zum einen sind verschiedene Zahlen und Werte erst im Nachhinein wirklich aussagekräftig, also vorerst hidden, zum anderen läuft meine Frau die allermeisten Läufe mit, wird hier aber nicht wirklich sichtbar. Ganz wie im Film irgendwie.

Keine Ahnung, wie leicht ich mich ohne ihre Mitmotivation immer wieder tun würde, morgens aufzustehen, um dem Sonnenaufgang entgegen zu laufen. Mindestens aber gäbe es keine so schönen Fotos.. So oder so gebührt ihr mein Dank, welchen ich ihr fast immer direkt nach den Einheiten zukommen lasse. All die ganze Motivation und der inzwischen klar formulierte Wunsch, das hochgesteckte Ziel zu erreichen sind viel leichter umzusetzen, wenn man immer wieder extrinsecus in den Gluteus Medius getreten wird.

Es ist Woche 19: Zum inzwischen dritten Mal binnen zwei Wochen sind wir heute spätestens um kurz nach 5 Uhr an der frischen Luft, ungleich anstrengender fühlen sich die Einheiten an, die wir zwei Stunden um 7 Uhr später starten. Der Sommer mit dem momentanen Hochdruckgebiet und Temperaturen von 33°C und mehr tagsüber macht ein Laufen selbst in den Abendstunden unmöglich, da merkt man morgens jede Viertelstunde Verzug. Familie, Beruf, Ehrenamt, die momentane Fußball-WM: Jeden Morgen ganz früh morgens an den Start gehen funktioniert auch nicht, irgendwo muss immer ein Kompromiss gefunden werden. Noch klappt das erstaunlich gut und die Einheiten werden durchgezogen. 

Auf der Waage zahlt sich das monatelange Programm inzwischen ganz langsam aus, hier verändern sich die Zahlen wenig, aber deutlich sichtbar. Der nächste Schritt wird vermutlich eine nochmalige Anpassung der Ernährungsgewohnheiten werden, um dies noch etwas zu forcieren, aber das geschieht dann alles zu seiner Zeit. Ich fühle mich heute und jetzt so fit wie lange nicht und vieles fällt im Alltag dadurch deutlich leichter, somit hat sich der ganze Aufwand schon deutlich ausgezahlt. Alles darüber hinaus ist ein Bonus.

Sonnenaufgang auf den Feldern.

Die Läufe ähneln sich inzwischen sehr, was in Zeiten von Konsolidierung und Konservierung der Laufeinheiten nicht groß verwundert. Ich ahne inzwischen recht gut, wann die nächste Gehpause ansteht, es gibt insgesamt wenig Abwechslung. Jedoch möchte ich so etwas wie Gewohnheit oder gar Langeweile eigentlich nicht aufkommen lassen. Was meint Elmar denn dazu?

Ausdauer, bevor sie entsteht.

Offenbar waren meine Prompts in ChatGPT in der letzten Zeit im Kern ebenfalls recht identisch, aber noch immer geben die Rückmeldungen Anlass für Erstaunen und Heiterkeit, denn das spiegelt meinen Eindruck 1:1 wider und fasst das Geschehen sehr treffend und dennoch positiv formuliert zusammen. Das motiviert mich dazu, einfach alles wie gehabt beizubehalten. Ich konsolidiere derzeit also sehr gut, das ist ja auch etwas. 

Als Maßnahme gegen die Eintönigkeit bleibt mir noch immer die Anpassung der Laufrouten. Am Mittwoch werde ich mal wieder alleine Laufen gehen und mache noch ne Schleife dran.

[Woche: 19, Einheit: 42, Kilometer: 115]

Montag, 15. Juni 2026

Es geht immer weiter

Konsolidierung klingt viel nach Verwaltung ohne scheinbaren Fortschritt, man bleibt auf dem Status Quo hängen und entwickelt sich nicht weiter. Die Updates hier in diesem Blog haben auch an Frequenz abgenommen, es gibt aber schlicht nicht viel zu berichten: Nach wie vor gehe ich, gehen wir, regelmäßig 2-3x pro Woche joggen. Die Intervalle bleiben bei 10/2, beim "Durchlaufen" einmal pro Woche wird die Dauer langsam erhöht. 

Elmar meinte letztens, dass er vorerst keinen Grund für Anpassungen sieht, formuliert das aber um einiges blumiger:

Wir schützen Konstanz.

Somit bringt auch die neue Laufwoche nur wenig Veränderung, es gibt zwei Einheiten mit 10/2-Blöcken und einen nochmals etwas ausgedehnteren Lauf mit 25 Minuten plus nochmal 15 Minuten am Stück. Wenig Veränderung? Nun ja. Ich hänge am Donnerstag 5 Minuten an die vorhandenen 20 Minuten an und merke "Ach herrje, fünf Minuten können sich ziehen." Somit ist die Konsolidierung schon irgendwie eine leichte Anpassung, aber man muss diese inzwischen etwas suchen.

Alles in allem fühle ich mich körperlich und mental inzwischen viel besser, gesünder, habe mehr Energie als im Februar. Die Regelmäßigkeit ist ein weiterer Hebel: Die Pace sinkt sehr langsam aber stetig, sodass ich in derselben Zeit weiter komme, mehr Strecke schaffe. Wie schon geschrieben lassen sich die Strecken nahezu unbegrenzt skalieren, sodass man irgendwo immer noch eine kleine Schleife oder einen Extrateil einfügen kann. Ich bin auf einem guten Weg, Halbmarathon hin oder her.

[Woche: 17, Einheit: 39, Kilometer: 99]   

Montag, 8. Juni 2026

Frühstart

In den Pfingstferien war es wegen Kurzurlaub und vielen anderen Terminen eher schwieriger als leichter, Zeit fürs Laufen zu finden. Das hielt mich jedoch nicht davon ab, etwas an den Parametern zu schrauben. Ich befinde mich inzwischen in Woche 17 bei 37 absolvierten Einheiten, hinke bedingt durch einige Wochen mit zwei oder gar nur einer Einheit etwas hinterher vom Plan "drei Läufe pro Woche".

Der nächste "Ausdauerlauf" letzte Woche Donnerstag wurde nochmals auf 20 + 15 Minuten Laufen leicht erweitert, die Gehpause dazwischen mit 2 Minuten kurz und knapp bemessen. Da ist man vergleichsweise schnell fertig mit der Einheit, bezogen auf den benötigten Zeitaufwand für die Basis-Einheiten, die inzwischen eine Stunde immer wieder deutlich überschreiten. 

Bemerkenswert finde ich, dass die Gehpause einem dann reichlich kurz vorkommt, deutlich kürzer als bei den anderen Intervallen, der Puls bleibt durchgehend höher. Aber ich kam gut durch, die Beschwerden aus April und Mai scheinen weit weg. Der Gluteus, ja, den spüre ich fast immer, aber er schmerzt nicht, was Elmar immer wieder durchwinkt.

Liest sich okay.

Die heutige Grundlageneinheit wurde hochskaliert auf 12 Minuten Laufen und 2 Minuten Gehen bei einer Gesamtdauer von knapp einer Stunde, durch die längeren Intervalle reduziere ich die Gesamtdauer sicherheitshalber etwas. Aus Termingründen klingelt der Wecker heute bereits um 4:50 Uhr, ab kurz nach fünf bin ich an der frischen Luft. Die Motivation macht es möglich.

Morgendliche Stimmung.

Das Bild hat keinerlei Filter, die Atmosphäre am frühen Morgen ist mit nichts zu vergleichen: Es ist angenehm kühl und die Luft ist erfrischend klar, auch gibt es kaum Störgeräusche, geschweige Lärm. Im Morgengrauen sind gleich zwei Rudel Rehe unterwegs, welche selbst aus sicherer Entfernung lieber das Weite suchen. Ein, zwei Stunden später ist der Frühsommer bereits erbarmungslos und erschwert das Laufen massiv, weshalb ich gerne auf Schlaf verzichte.

Alles in allem merke ich, wie die Kondition langsam immer weiter und immer weiter zurückkehrt. Steigungen sind kein so großes Problem mehr, selbst der Anstieg am Ende der Haldenrunde mit ca. 10% auf 200 Metern hat zwingt mich beim letzten Mal erstmalig seit Jahren nicht mehr in die Knie: Die Schritte werden zwar immer kürzer, aber die Frequenz bleibt hoch, somit schleiche ich joggend den Hügel hoch. Wenn man so will, ist das ein weiterer Meilenstein oder zumindest ein Puzzleteil.

Auch interessant: Verglichen mit früher fühle ich mich trotz allem Fortschritt und zurück gewonnener Kondition noch lange nicht wieder so richtig fit. Vermutlich ist auch das ein Zeugnis des Alters, dieses Gefühl wird sich wohl nicht mehr einstellen. Aber ich bin so fit wie schon sehr lange nicht mehr.

Grammatik am Limit. 

[Woche: 17, Einheit: 37, Kilometer: 88]  


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