Sonntag, 27. September 2026

Am Ziel

Ulm Messe, Start des Einstein-Marathons. Wir sind frühzeitig angereist und parken das Auto aus strategischen Gründen, die Innenstadt ist weitestgehend für Autos gesperrt, etwas außerhalb und fahren mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Stadt.

Die Messehalle ist voll von Menschen in Laufkleidung und ich gestehe mir recht schnell ein: die sehen alle fitter aus als ich, und das wird über den Wettkampf hinaus von Bedeutung bleiben. Ich lasse mich davon in der Situation aber nicht stören oder beeindrucken und suche lieber die Nebenhalle, in welcher zahlreiche Umzugs-LKWs stehen, die die Starterbeutel ins Ziel bringen werden. Nach etwas Suchen und Rumfragen finde ich den richtigen und gebe den Beutel samt Inhalt ab. Naturgemäß läuft man hier auch dem/der einen oder anderen Bekannten über den Weg, also kurz abklatschen und Motivation zusprechen, dann weiter. 

Ich bin mir absolut sicher, dass ich heute finishen werde, aber langsam wird es wirklich ernst. Ein letzter Klogang noch, und dann geht es um kurz nach neun Uhr an den Start bzw. wir stellen uns dafür an. Der Halbmarathon startet zeitgleich mit dem vollen Marathon sowie den Nordic Walkern, somit sind tausende Läufer mit und ohne Stöcken zeitgleich am selben Ort, der Anfang ist von hinten nicht zu erkennen. Nach vorne staut es sich hunderte Meter und wir kommen zunächst nur schrittweise voran. Bis wir schließlich an der Startlinie sind, vergeht seit dem Startschuss nochmals eine gute halbe Stunde, in der Zeit waren die ersten Läufer bei der Halbzeit. Schließlich gehen wir aber zeitgleich über die Kontaktschleife, der Lauf hat begonnen.

Der Plan sieht vor, zunächst 28 Minuten am Stück stadtauswärts zu Laufen und, egal wie gut es funkioniert, danach zwei Minuten Gehpause einzulegen, anschließend geht es so lange wie möglich weiter im Rhythmus 13/2. Ich versuche, in den Pausen halbwegs zügig zu gehen, damit wir nicht so viel Zeit verlieren. Von anderen Halbmarathonläufern ist schon nach wenigen hundert Metern, wir hatten uns wie schon geschrieben sehr weit hinten für den Start eingereiht, kaum mehr jemand zu sehen, stattdessen teilen wir uns die Strecke fast ausschließlich mit Nordic Walkern, welche von der Pace her recht identisch zu uns unterwegs sind. Die Stimmung ist herausragend gut, alle haben super Laune, wir ebenfalls. Auch das Wetter macht mit, es gibt strahlenden Sonnenschein.

Die großen Kilometerschilder am Straßenrand helfen bei der Orientierung, ob wir zu schnell oder zu langsam sind. Kilometer 10 beschreibt die ungefähre Hälfte und wir erreichen diese in etwas über 1:25 Stunden. Damit bin ich sehr zufrieden und wenn das so weitergehen könnte, wäre es super, aber das dicke Ende kommt erfahrungsgemäß erst noch. Bei Kilometer 15 sind wir nach einer großen Passage an der Donau entlang wieder in der Ulmer Innenstadt angekommen, und hier sind noch mehr Zaungäste am Streckenrand als unterwegs zu sehen. Es gibt zudem viele Musikbands und Trommlergruppen, welche einen nach vorne tragen und eine tolle Unterstützung sind, so macht Laufen Spaß! Leider merke ich, dass ich um einiges schneller als erhofft müde werde. Die Schritte werden auf einmal viel schwerer und die anfängliche Dynamik, sofern man diese so nennen darf, ist jetzt verflogen.

Ab Kilometer 18 beginnen wie vor 13 Jahren die Probleme so richtig und ich gestehe mir ein, dass ich die längeren Distanzen noch mehr ins Training hätte einbauen müssen. Statt einmal 15 Kilometer hätte ich das besser zweimal gemacht plus einmal noch eine deutlich längere Einheit, und das rächt sich jetzt, wenn man so will. Aber das Ziel ist heute nach wie vor "Ankommen, irgendwie" und so kurz vor dem Schluss besteht kein Zweifel, dass dieses erreicht wird. Dennoch kommen die Schmerzen allmählich gefühlt überall durch, die Waden und Oberschenkel machen langsam immer mehr zu, es fühlt sich an wie zwei riesige schwere Torflügel, die sich in Zeitlupe schließen. Elmar meinte zuvor, ich solle am Ende alles tun, was mich irgendwie ins Ziel bringt und so türmen sich die Gehpausen nun. Ich würde die Schmerzen und die Muskelanspannung gerne sonstwie wegdehnen, aber es funktioniert nichts mehr, es ist alles komplett dicht. 

Dann bricht der allerletzte Abschnitt an. Kopfsteinpflaster. Die Streckenführung beim Einstein-Marathon bedingt leider äußerst unbequemes Kopfsteinpflaster mit tiefen und breiten Fugen auf den letzten tausend Metern, das war schon immer so. Ich will nur noch ankommen, aber gefühlt geht jetzt rein gar nichts mehr. Die Hirschstraße hoch blockieren die Beine vollends und es kommt nunmehr alles zusammen, also legen wir nochmals eine, wie es mir vorkommt, unendlich lange Pause wenige hundert Meter vor dem Ziel ein, es geht nicht anders. Wir sind aber auch seit über drei Stunden auf der Strecke, so lange war ich noch nie in meinem Leben derart unterwegs, also ist das alles keine übergroße Überraschung. Also nochmals ein hoffentlich letztes Mal besinnen, mehrfach tief durchatmen, fest auf die Zähne beißen und die allerletzten Reserven aktivieren, und schließlich ziehe ich mich nach einer gefühlten Ewigkeit unter dem Jubel wohlbekannter sowie fremder Personen am Streckenrand irgendwie zeitgleich mit meiner Frau über die Ziellinie. Es ist geschafft, die Mission ist erfolgreich abgeschlossen!

Am Ziel.

Die letzten Worte gebühren, wie ich finde, Elmar.
 
Keine weiteren Fragen, Elmar.

Epilog: 

Hiermit endet dieser Blog recht abrupt. Von einer detaillierten Beschreibung der Schmerzen nach dem Lauf und den Einschränkungen in den Folgetagen sehe ich ab, auch tiefergehende Analysen beispielsweise zur Optimierung für zukünftige Missionen oder ein Lessons learned werden hier nicht mehr beschrieben. Jetzt steht erst einmal Regeneration an. 

Ein paar Infos sind vielleicht noch interessant: Ich will weiterhin regelmäßig Laufen gehen und die durchaus verbesserte momentane Kondition nicht aufgeben, wobei abzuwarten ist, wie sich das über den Winter entwickeln wird. Ich möchte nun ebenfalls meine Mobilität mittels Gymnastik und Yoga (lacht Ihr nur, mir egal) verbessern, dazu gerne auch wieder andere Disziplinen wie Schwimmen oder Radfahren einbauen und das Training damit abwechslungsreicher gestalten. 

Es bestehen jedoch bereits heute schon auch Pläne, den Halbmarathon sogleich im nächsten Jahr zu wiederholen und insbesondere hinten raus eine bessere Performance abzuliefern, die Zielzeit darf dann insgesamt auch durchaus deutlich verbessert werden. Ein Wunsch könnte sein, irgendwann eine neue Bestmarke aufzustellen, wofür 2:41 Stunden geknackt werden müssten. Das alles passiert dann höchstwahrscheinlich ohne Blog und es hat noch Zeit, aber: Es geht weiter.

Mein Fazit besteht aus zwei Erkenntnissen: 

Erstens ist KI heute längst in der Lage, bei solch einem Projekt sinnvoll zu unterstützen und zu steuern, ich kann das guten Gewissens empfehlen, wenn man auf allerdings die Antworten immer aus zwei Perspektiven draufschaut. Probiert es gerne selbst aus. 

Zweitens, aber nicht zuletzt: Ohne meine Frau als ständige Motivatorin wäre all das nicht möglich gewesen, ihr gebührt mein größter Dank. Dankeschön, dass Du diese Mission mit mir durchgezogen hast und mit mir Laufen warst!

Montag, 21. September 2026

Die Ruhe vor dem Sturm

Die letzte Woche vor dem Lauf ist nur sehr am Rande geprägt von Vorbereitungen. Ich habe vor, lediglich eine bis höchstens zwei kurze Einheiten von maximal 30 Minuten Dauer zu machen und auch diese wird oder werden nicht mehr sein als ein wenig Mobilisierung und etwas Anschwitzen. Der Akku fühlt sich voll an, ich bin guter Dinge.

Die Regenerationseinheit letzte Woche war gut, ich wäre gerne noch länger gelaufen und werte das als gutes Zeichen. Der Respekt vor der noch immer ungeheuer lang erscheinenden Distanz von über 21 km bleibt, aber das wird mich vermutlich von einem allzu schnellen Loslaufen abhalten, hat also auf eine Art auch sein Gutes.

Zur Taktik im Wettkampf habe ich mir schon diverse und viele Gedanken gemacht. Elmar meint zunächst, ich solle konsequent mit 13/2 beginnen, aber ich überlege, die ersten zwei oder gar drei 13/2-Blöcke als einen zu laufen, also mit 28/2 oder 43/2 zu starten und erst danach auf 13/2 umzuschwenken. 

Matchplan.

Somit ist der Rahmen für Sonntag recht deutlich abgesteckt. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren - abgesehen vielleicht von der Ernährung speziell ab Freitag, aber auch hier war die KI-Antwort erwartbar und deckt sich naturgemäß mehr oder weniger vollständig mit den allgemeinen Empfehlungen, wie sie in quasi allen Ratgebern zu diesem Thema beschrieben sind, somit war meine Nachfrage auch eher interessehalber.

Seit heute nenne ich auch ein Goldochsen Laufshirt in der Größe XXL mein eigen, es sitzt erfreulich gut. Dazu gab es vom Laufstall noch zwei Flaschen OXX alkoholfreies Radler und zwei Flaschen OXX Dreiacht sowie einen Schlüsselanhänger und Aufklebetattoos.. ein wenig Schleichwerbung muss sein, die haben schließlich die halbe Anmeldegebühr bezahlt. 

[Woche: 32, Einheit: 71, Kilometer: 321] 

Montag, 14. September 2026

Generalprobe

Wieder daheim geht es jetzt endgültig in die heiße Phase der Vorbereitung, in dieser Woche gibt es wieder drei Einheiten, die es allesamt deutlich in sich haben. Zum Aufgalopp am Dienstag starten wir mit knapp 9 km mit 13/2-Intervallen, am Donnerstag laufen wir über eine Stunde komplett durch und am Sonntag absolvieren wir die Generalprobe mit gar über 15 km, ebenfalls wieder in 13/2, diese Taktung hat sich als Quasi-Standard in den letzten Wochen etabliert.

Somit schrubben wir deutlich über 30 km binnen einer Woche runter, wobei der Lauf am Sonntag noch massiv nachhallt. Das war zu erwarten, damit habe ich gerechnet. Der Gluteus medius meldet sich nach Kilometer zehn wieder, ist aber mit etwas Dehnen und Gymnastik in der nächsten Gehpause wieder halbwegs in den Griff zu bekommen. Die Anstrengung auf dem letzten Kilometer ist immens, aber ich erinnere mich daran, dass das früher auch schon so war.

Interessehalber tracke ich den Lauf und wie ich vermutet habe, ist die Pace unterirdisch, jeder ambitionierte Läufer wird ungläubig den Kopf schütteln: Sofern ich in zwei Wochen finishe, wird die Zeit eine drei vor dem Doppelpunkt haben. Ich selbst bin damit absolut fein, es geht mir seit Beginn der Mission einzig darum, ins Ziel zu kommen, schon allein aufgrund meiner persönlichen körperlichen Verfassung mit noch immer deutlich über 90 Kilo auf der Waage.

Ab in den Wald.

Ich fühle mich bereit, in zwei Wochen an den Start zu gehen und die Mission erfolgreich abzuschließen. Das war das Ziel und das ist ein gutes Gefühl, ich bin recht stolz und zufrieden mit der Entwicklung der letzten Wochen und Monate. Auch den Wettkampf kenne ich noch und werde hoffentlich nicht in die Falle tappen, am Wettkampftag nochmal etwas besonders Verrücktes auszuprobieren.

Elmar stimmt zu.

Die nächsten zwei Wochen werden vergleichsweise entspannt, es geht jetzt nur noch um etwas Mobilisierung und den Kreislauf oben zu halten. Generalprobe geglückt.

[Woche: 30, Einheit: 70, Kilometer: 317]

Sonntag, 6. September 2026

Urlaub in Istrien

Der Urlaub im sonnigen Süden hält nicht von morgendlicher Aktivität ab, die Laufklamotten sind eingepackt. Mangels Ortskenntnissen frage ich mich, wo man hier wohl gut zum Joggen gehen könnte. Also eigentlich frage ich nicht mich, sondern Elmar. Er bestätigt, dass die Findung einer geeigneten Runde sich schwierig gestaltet, da der Bereich in Istrien sehr hügelig ist und die Straßen nicht besonders gut geeignet. Da hat er mal wieder recht.

Er schlägt unter anderem die legendäre Parenzana vor. Diese wäre von der Sache her eigentlich perfekt und ist in wenigen Autominuten erreichbar, aber es wird sich aus Bequemlichkeit dagegen entschieden, ist schließlich Urlaub und ich will nicht komplett verschwitzt mit einem Handtuch auf dem Autositz herumhantieren.

Stattdessen laufen wir in der einen Woche, die wir hier sind, dreimal mehrere Runden durch das Wohngebiet, in welchem sich Ferienhäuser und die Behausungen der Einheimischen munter abwechseln. Witzigerweise kommt uns bei allen drei Einheiten immer derselbe Herr auf unserer Strecke entgegen. Bei der ersten Begegnung schaut er uns etwas ungläubig an, so nach dem Motto "was machen diese Touristen für einen Unsinn", beim zweiten Mal lacht er nur noch und beim dritten Mal grüßt er sogar freundlich. 

Die Strecke ist nicht besonders doll, wir laufen jeweils für ungefähr eine Stunde. Das Wetter hier ist Anfang September noch immer sommerlich mit Werten konstant über 30 Grad, sodass wir immer spätestens um sieben Uhr morgens loslaufen, Urlaub hin oder her. Ein wesentlicher positiver Unterschied ist der hauseigene Pool, der direkt nach den Einheiten aufgesucht wird, es ist ein herausragend gutes Gefühl, direkt nach der Anstrengung sich kurz abzuduschen und komplett unter zu tauchen.

Du fehlst, lieber Pool.

[Woche: 29, Einheit: 67, Kilometer: 286]

Freitag, 21. August 2026

Alle reden über das Wetter

Der Besuch bei der buckligen Verwandtschaft Ende letzter Woche bedingt wieder eine Einheit auf fremden Pfaden und auf ungewohntem Terrain, welche ebenfalls als buckelig im Sinne von hügelig zu bezeichnen ist. Es geht die ersten zehn Minuten quasi nur bergauf bei angemessener Steigung, so etwas habe ich selten erlebt, und es steht im krassen Gegensatz zu meinem grundsätzlichen Plan, die ersten paar hundert Meter betont langsam anzugehen, um den Gluteus zu beruhigen. 

Die Anreise von knapp vier Stunden zwei Tage vorher abends steckt zudem noch immer in den Knochen, entsprechend (unnötig?) anstrengend kommt mir das alles vor. Endlich auf dem Plateau angekommen laufe ich der Sonne entgegen, die Windräder am Horizont fest im Blick. Kurzzeitige Pläne, hier oder dort doch noch eine Schleife dranzumachen werden sofort verworfen, bloß nicht zu viel riskieren. Die am Ende knapp 50 Minuten Durchlaufen fühlen sich schließlich wie deutlich mehr an, aber auch hier bin ich froh, dass alles halbwegs gut funktioniert und ich nicht über die Schmerzgrenze drüber bin.

Sonnenaufgang mit Windrädern am Horizont.

Die Waldbrände im August 2026 sind hier sehr real, die Luft ist durchzogen mit dem Geruch von Rauch, obwohl die Brandherde zig Kilometer entfernt sind. Es kommt einem vor, als würde jemand in der Nachbarschaft Laub verbrennen, aber dieses Gefühl hat man durchgehend. Insgesamt ist die komplette Szenerie zusätzlich ungewohnt diesig, es erinnert stark an Smog. Was für Zeiten.

Ein paar Tage später wieder daheim ist erneut zunächst die Hauptaufgabe, die Müdigkeit von der langen Autofahrt heimwärts am Tag zuvor aus den Beinen zu bekommen. Die 14/2-Intervalle über 70 Minuten sind hart, aber nicht so hart wie die Einheit zuvor. Das gewohnte heimische Terrain, auf dem ich jeden Kieselstein mit Namen kenne, hilft sehr, und die bereits zweifach erweiterte neue Standardroute fast zu kurz für das heutige Programm. Das fühlt sich trotz allem sehr gut an.

Schließlich scheint sich das Wetter nun binnen weniger Tage abrupt zu wandeln. Die große Trockenheit ist offenbar mehr oder weniger schlagartig vorbei, der Herbst kündigt sich mittels mehreren starken Regengüssen an. Die heutige Einheit mit 16/2-Intervallen über 70 Minuten laufen wir am Morgen mehr oder weniger durchgehend im Nieselregen, die Luft ist frisch und feucht, mir kommt das aber alles sehr entgegen. Heute reicht die Strecke nicht aus, weil wir auch ein, zwei Ticken schneller sind als sonst, also wird dynamisch vergrößert. Ich hätte durchaus auch noch weitere 10 bis 20 Minuten dranhängen können.

Elmar lässt schön grüßen.

Meine Interaktion mit Elmar hat sich in den letzten Wochen merklich reduziert. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Vorgaben klar definiert sind und ich mich akkurat daran halte, entsprechend geht alles seinen natürlichen Gang. Zu meinem Glück gehört, dass ich von Verletzungen mehr oder weniger komplett verschont geblieben bin, somit gibt es wenig Grund für Korrekturen oder Anpassungen. Das Thema Erholung wird in den nächsten Wochen noch eines werden, hier fehlt mir noch etwas der Zugang zur optimalen Belastungssteuerung. Elmar will nur die Gesamtzeit des langen Laufs vergrößern, das kommt meinen letzten persönlichen Trainingseindrücken sehr entgegen.

[Woche: 27, Einheit: 63, Kilometer: 253]

Dienstag, 11. August 2026

Waldläufer

Heute laufen (bzw. radeln) wir wieder zu dritt dieselbe Runde wie zuletzt. Durch die Unterbrechung vorgestern aufgrund Orientierungslosigkeit möchte ich nun gerne wissen, wie sich die Strecke wirklich anfühlt, wenn man sie auf direktem Weg läuft. Dabei ist mir bewusst, dass die Route ein bis zwei Ticken zu lang ist und ich sinnvollerweise eher eine etwas kürzere Variante wählen sollte, aber ein wenig hat das "Höher, weiter, schneller" wieder kurzzeitig Besitz von mir ergriffen. Es ist ein bewusster Test, ich möchte wissen, wie ich mit der gesteigerten Belastung umgehen kann.

Der Waldboden ist im Vergleich zu den asphaltierten Feldwegen um einiges angenehmer, auch der mehrere hundert Meter lange Trailpfad ziemlich genau in der Mitte eine willkommene Abwechslung, das möchte ich gerne nochmal haben und zahle den Preis gerne. Inzwischen bin ich einer Verfassung, in der ich das gefühlt relativ gut wegstecken sollte.

Über Stock und Wurzel.

Ich reduziere die Intervalle für heute auf 10/2, weil mir die Belastung von vor zwei Tagen noch in den Muskeln und Knochen steckt, also steuere ich etwas dagegen, zumal die Dauer vorgestern selbst ohne die Unterbrechung viel zu lang gewesen wäre. Ich fühle mich beim Loslaufen etwas müde und beginne selbst für meine Verhältnisse betont langsam. Der Start um halb sieben morgens bei ca. 16 Grad Morgentemperatur verläuft somit sehr verhalten, auch wenn die äußeren Bedingungen ideal sind.

Die oft zitierte Hausrunde war selbst mit Intervallen noch vor ein paar Wochen ein lange nicht mehr für möglich gehaltenes Ziel, seit letzter Woche laufe ich sie komplett durch und mithilfe von Intervallen noch viel weiter, es ist so vieles passiert in der letzten Zeit. Das Ziel vor Augen wird immer weiter investiert, auf dass es auch wirklich erreicht werden möge. Ich bin nach wie vor noch etwas entfernt von den geforderten 15 Kilometern in einer Einheit, wenn auch auf einem recht guten Weg dorthin. 

Ich kann meine Kondition inzwischen tatsächlich wieder sehr gut einteilen und baue gezielt regelmäßig aktive Erholungsphasen ein, dafür lasse ich es etwas schneller angehen, wenn das Terrain und die augenblickliche Verfassung das hergeben, und so komme ich zwar reichlich erschöpft, aber grundsätzlich in gutem Zustand wieder daheim an, der Test verläuft alles in allem sehr positiv. 

Am Ende stehen satte 1:50 Stunden Gesamtdauer auf der Uhr (davon gut anderthalb Stunden joggend), das ist für mich ein ungeheuerlicher Wert und wie schon geschrieben etwas zu viel für den jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung. Das sieht auch Elmar so:

Elmar bremst, mahnt und vergisst nicht.

Fun Fact: Durch die zu große Steigerung zuletzt habe ich die Halbmarathon-Distanz kumuliert bereits satt drin, aber eben auf zwei Einheiten verteilt. Noch sind gut sechs Wochen Zeit, das könnte/sollte/dürfte sich tatsächlich ausgehen, auch wenn ich in der nächsten Woche langsamer machen soll. Ich plane darum eine etwas leichtere Woche zur Erholung und dann geht es auf zum Endspurt der Vorbereitung.

[Woche: 26, Einheit: 60, Kilometer: 233]

Sonntag, 9. August 2026

Verlaufen

Heute geht es zum inzwischen bereits zweiten Mal durch den Wald. Dabei soll die Strecke im Vergleich zum letzten Mal noch etwas erweitert werden, um auf knapp anderthalb Stunden Laufzeit zu kommen: Die zuletzt genommene "Abkürzung" wird ausgelassen und stattdessen die "normale" Route genommen. Zu meiner Freude hat der kleinste Sohnemann sich uns heute interessehalber angeschlossen und aufs Rad geschwungen, er möchte mit uns den Wald erkunden. Geplant waren 14/2-Intervalle bei gewohnt lächerlicher Pace, damit die Dauerbelastung in die Muskeln und Knochen reinkommt. 

Soweit die Planung. Allein, wenn man die örtlichen Gegebenheiten nicht 100%ig kennt, dann kann es eben sein, dass nach ein paar hundert Metern hinter einer Abbiegung der geschotterte Weg einfach im Nichts endet, Wälder haben ihre eigenen Gesetze oder zumindest Wege. Dann steht man unvermittelt vor meterhohem Gras, Brennnesseln [sic!], umgestürzten Bäumen, Ästen und tiefen Furchen im Boden. Die Vermutung "In zwanzig, dreißig Metern geht der Weg sicher/vielleicht/eventuell weiter" wird samt geschultertem Kinderfahrrad nach ein paar endlos erscheinenden Minuten als Irrtum verworfen, also dreht man um und nimmt den nächsten Abzweig, der dummerweise sogleich auch im Nichts endet.

Auf dem richtigen Weg.

Alles in allem sind wir gute zwei Stunden unterwegs inklusive zwischenzeitlicher Orientierungslosigkeit. Sogleich wird daheim die gewählte Strecke analysiert und der Fehler gefunden, die Entfernung war offenbar deutlich zu lange, aber die Belastung war, unter Berücksichtung aller widriger Umstände, sehr okay, aber das möchte ich gerne zur Sicherheit schnellstmöglich überprüfen. Am Dienstag gibt es das Ganze gleich nochmal, dann hoffentlich ohne Umwege.

[Woche: 25, Einheit: 59, Kilometer: 222]  

Empfohlen

Am Ziel

Ulm Messe, Start des Einstein-Marathons. Wir sind frühzeitig angereist und parken das Auto aus strategischen Gründen, die Innenstadt ist wei...